Fitness & Ernährung

Nahrungsmittelallergie - oder was?

29.04.09 (Allergie, Diät, Ernährung, Unverträglichkeit)

Patienten mit Nahrungsmittelallergien sind für Ernährungsberater eigentlich eine feine Sache. Kein “Schau endlich, dass du den Hintern hochkriegst und dich bewegst…” wie bei denen, die abnehmen sollen. Kein “Ich kann nur raten, mal einen Psychologen…” wie bei Essgestörten. Über fehlende Motiavation kann man sich normalerweise auch nicht beklagen.

Stattdessen die Vorgabe “Das sind die Allergene” (sofern man nicht an der Diagnose beteiligt ist, aber das sind in der Regel die Kollegen an den Kliniken), bring dem Patienten bei, wie er sie meidet und was er tun muss, um dabei einem Nährstoffmangel vozubeugen. Welche Diagnose-Methoden dabei angewendet werden, findet man z.B. in der Ernährungs Umschau (03/2007).

Allergien sind IgE-vermittelte Reaktionen (s. Links). Nun kann man das Blut aber auch auf IgG testen, was der Patient selber zahlen muss, und ihm dann mitteilen, auf welche Lebensmittel sein Körper denn in welchem Ausmass mit IgG-Bildung reagiert und das ganze dann irgendwie mit Allergie und Vermeidungs-Empfehlungen verwursteln.

Dr. Imke Reese schreibt in o.a. Artikel dazu folgendes:

Unseriöse Testverfahren
In den letzten Jahren haben Anbieter unseriöser allergologischer Testverfahren den Markt überschwemmt. Insbesondere IgG-Tests werden damit beworben, gerade auch bei nicht-allergischen Reaktionsformen die Auslöser schnell und unkompliziert im Blut zu identifizieren. Scheinbar positive Befunde dieser Testverfahren lassen sich leicht erklären, wenn man sich verdeutlicht, warum der Organismus IgGAntikörper bildet. Es sind seine Gedächtniszellen, die ihn daran erinnern, dass er das entsprechende Lebensmittel toleriert. Folglich lassen sich bei allen Menschen IgG-Antikörper finden, vor allem gegenüber häufig verzehrten Lebensmitteln. Bei der Umsetzung der angeblich notwendigen Diätempfehlungen werden die Betroffenen dann leider in der Regel allein gelassen. Ihre Beschwerden verschwinden nicht wirklich – denn eine fundierte Diagnostik hat nicht stattgefunden – und hinzu kommt ein deutlich gestiegener Leidensdruck durch die zu umfangreichen Meidungsempfehlungen.”

Aha… Und da macht sich Frau Dipl.oec.troph. dann so ihre Gedanken, wenn ein Arzt bei der Patientin - Flugbegleiterin, Langstrecke, Südost-Asien und so, aber danach hat er wohl gar nicht erst gefragt - als allererstes wegen ihrer Magen-Darm-Beschwerden mal so einen IgG-Test machen lässt. Ergebnis: multiple Nahrungsmittelunverträglichkeit… natürlich bei den Lebensmitteln, die sie bevorzugt isst…

Der Patientin selbst sind dann später mit mir zusammen ein paar andere Ursachen eingefallen. Delhi scheint “berühmt” zu sein für seine freundlichen Keime…

Übrigens:
Es wird auch versprochen, dass man mit Hilfe solcher Tests auch abnehmen kann, wenn sonst gar nichts hilft, allerdings… 

“Was die Gewichtsreduktion anbetrifft, wird die drastische Einschränkung der Lebensmittelauswahl als simples Instrument genutzt, die Möglichkeiten zu einer erhöhten Energiezufuhr einzuschränken. Doch dass dies auf Basis einer Rechtfertigung durch populäre Grunderkrankungen wie “Unverträglichkeit”, “Allergie”, o. a. erfolgt, ist nicht legeartis. Drohende Nährstoffdefizite und fehlende Veränderung von ungünstigen Ernährungsgewohnheiten gehören auch hier zu den wichtigsten Vorbehalten gegen eine solche Maßnahme.”

Bluttest, strenger Ernährungsplan mit Verboten Meidungsempfehlungen v.a. bei den Lebensmitteln, die man bevorzugt isst - da war doch was?! Metabolic balance… Aber da werden ja noch viel mehr Werte bestimmt - trotzdem, das “Intrument” ist, wenn auch anders begründet, das gleiche.

Wer jetzt hier irgendwo den Link zu einem Testanbieter erwartet hat, bitte selber suchen ;-)

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