Ernährung, Umwelt und Gesundheit – lokale und globale Herausforderungen
24.03.09 (Allgemein, Ernährung, Prävention)
Für die Welternährungsorganisation FAO stellt die Gewährleistung der Bereitstellung von Nahrung für eine nach wie vor enorm wachsende Weltbevölkerung die größte Herausforderung für Ernährung und Landwirtschaft dar. In den nächsten 30 bis 50 Jahren ist jedoch ein Bevölkerungsmaximum von ca. 9,2 Milliarden Menschen erreicht. Dabei ist das derzeitige Bevölkerungswachstum fast zu 100 % auf die urbanen Regionen in Entwicklungsländern beschränkt. Das Ziel, die Zahl der Unterernährten bis zum Jahr 2015 zu halbieren, wird nicht erreicht, sie wird stattdessen vermutlich auf eine Milliarde ansteigen. Ein Grund dafür sind die gestiegenen Lebensmittelpreise, unter denen vor allem die armen Bevölkerungsschichten in den Entwicklungsländern zu leiden haben. Die zwei limitierenden Hauptfaktoren für die Sicherstellung von Nahrung sind Wasser und ackerbares Land. Während weltweit betrachtet genügend Ackerland verfügbar ist, um Nahrung für alle Menschen zu produzieren, sind die Regionen südliches Asien, der Nahe Osten und Nordafrika doppelt belastet. Sie leiden unter Wassermangel und haben gleichzeitig zu wenig landwirtschaftliche Fläche zur Verfügung. Daher muss vor allem massiv in die Landwirtschaft dieser armen Länder investiert werden. Dabei geht es um langfristig verlässliche Investitionen in eine nachhaltige und klimaverträgliche Landwirtschaft. Denn das globale System der Lebensmittelproduktion ist auch durch den drohenden Klimawandel und die Energiekrise gefährdet. All diese Probleme müssen gemeinsam angegangen werden.
Übergewicht und Fehlernährung stellen nicht nur in den Industrieländern ein Problem dar, sondern haben bereits in Ländern, in denen nach wie vor Menschen an Unterernährung leiden, wie beispielsweise Mexiko und China, Einzug gehalten. Der Anstieg der Häufigkeit von Übergewicht bzw. Adipositas erfolgt weltweit in einem rasanten Tempo. Wie wir die globalen Herausforderungen der Adipositasepidemie verstehen und meistern können, behandelte Prof. Barry Popkin in seinem Plenarvortrag „Understanding and Addressing the Global Challenge of the Obesity Epidemic“ am zweiten Kongresstag. Mit der Zunahme von Übergewicht bzw. Adipositas steigt auch das Risiko für Diabetes mellitus Typ 2, Herz-Kreislauf-Krankheiten usw. Die Gründe für die Entstehung von Übergewicht sind lange bekannt und erwachsen vor allem aus einer nicht mehr durch Not geprägte Lebensweise. In China würden diese Veränderungen aktuell besonders deutlich, sagte Popkin. So nähmen die Chinesen weniger Getreideprodukte zu sich, während der Verzehr von Öl und tierischen Produkten stark ansteigt, körperliche Arbeit abnimmt und sich die Menschen auch in ihrer Freizeit weniger bewegen. Diesen Veränderungen in der Ernährung und den Lebensgewohnheiten kann sich der menschliche Organismus nicht in derselben Zeit anpassen. Ein Paradebeispiel stellt für Popkin die Veränderung unserer Trinkgewohnheiten dar. Der Wechsel von Wasser und kalorienarmen Getränken, die jahrtausendelang einzig konsumiert wurden, hin zu einem breiten Spektrum an kalorienhaltigen Getränken, ging sehr schnell vonstatten, sodass unsere Gene und unser Stoffwechsel kaum Gelegenheit hatten, Mechanismen zu entwickeln, um diese meist zusätzlichen „flüssigen Kalorien“ zu kompensieren. Popkin bringt u. a. den regelmäßigen Softdrinkkonsum mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von Adipositas in Zusammenhang. Um die Menschen zu vollwertigeren Lebensmitteln greifen zu lassen, könne man beispielweise an der Preisschraube drehen und ernährungsphysiologisch ungünstige Produkte teurer verkaufen.
Quelle: DGE