Fitness & Ernährung

Gesundheitsbedrohung durch die Lebensmittel-Industrie?

16.04.09 (Ernährung, Gesundheit)

Im Schwerpunktheft des Milbank Quarterly zum Thema “Obesity” findet sich auch ein Aufsatz, der Parallelen zieht zwischen den früheren Strategien der Tabak-Industrie und den aktuellen Vorgehensweisen der Lebensmittel-Industrie.

Natürlich gibt es bedeutsame Differenzen: Während Produkte wie Nahrungsmittel lebensnotwendig sind, gilt dies für Tabak und den Giftstoff Nikotin ganz und gar nicht. Der Verkauf von Tabak an Kinder ist verboten, für Nahrungsmittel gibt es bislang (mit Ausnahme alkoholischer Getränke) keine Beschränkungen. Für die süchtig machende Wirkung des Tabak gibt es eine Vielzahl wissenschaftlich fundierter Studien, während die Forschung über Lebensmittel gerade erst begonnen hat. Und auch die Produktstruktur, Größe und Zahl der Unternehmen beider Branchen zeigen massive Unterschiede.

Wo sind die Übereinstimmungen? Die großen gesundheitlichen Risiken und ökonomischen Folgekosten des Rauchens auf der einen Seite und der durch Lebensmittel verursachten Problematik Übergewicht und Adipositas auf der anderen Seite.

Kelly D. Brownell und Kenneth E. Warner von der Yale University in New Haven diskutieren in ihrem informativen Aufsatz mehrere Aspektes des Themas, bei denen sie Gemeinsamkeiten zwischen “Big Tobacco” und “Big Food” erkennen.

• Die persönliche Verantwortung des Einzelnen als Ursache für das ungesunde Ernährungsverhalten der Nation hervorheben
• Die Furcht wecken, dass Maßnahmen der Regierung die persönlichen Freiheiten einschränken
• Kritiker mit totalitärer Sprache verunglimpfen, sie als “Lebensmittel-Polizei”, als “Führer eines Nanny-Staates” verunglimpfen oder sie sogar als “Lebensmittel-Faschisten” bezeichnen,
• sie anklagen wegen ihrer Bemühungen, der Bevölkerung ihre bürgerlichen Freiheitsrechte weg zu nehmen
• Studien, die die Lebensmittel-Industrie angreifen, als “Billig-Wissenschaft” (”junk science”) kritisieren
• Sport und körperliche Bewegung in gesundheitlicher Hinsicht als weitaus bedeutsamer charakterisieren im Vergleich zur Ernährung
• Hervorheben, dass es weder gute noch schlechte Lebensmittel gibt, daher darf auch nicht gefordert werden, bestimmte Nahrungsmittel (Soft drinks, fast food usw.) zu verändern
• Zweifel anmelden, wenn Besorgnis hinsichtlich der Lebensmittel-Industrie laut wird.

Einzelne Szenen dieses “Drehbuch des Handelns” werden in der Veröffentlichung mit vielen konkreten Beispielen belegt. Darüber hinaus werden aber auch aktuell realisierte und gesellschaftlich wünschenswerte Strategien einander gegenüber gestellt

Wird die Nahrungsmittel-Industrie zukünftig die Öffentliche Gesundheit in den Vordergrund stellen oder weist ihre Zukunft Merkmale auf, wie sie für die Tabakindustrie in der Vergangenheit galten: Schwerwiegende gesetzlichen Auflagen und überaus hohe finanziellen Bußen? Die Antwort darauf bleibt offen…

Abstact aus dem Schwerpunktheft

Quelle: Forum Gesundheitspolitik

2 Kommentare

  • 1
    Andrea:

    “Während Produkte wie Nahrungsmittel lebensnotwendig sind, gilt dies für Tabak und den Giftstoff Nikotin ganz und gar nicht. Der Verkauf von Tabak an Kinder ist verboten, für Nahrungsmittel gibt es bislang (mit Ausnahme alkoholischer Getränke) keine Beschränkungen.”

    Diesen Satz schreit nach Vertiefung:

    Produkte wie Nahrungsmittel… kann man so oder so verstehen.

    Produkte, die von Menschen zusammengefriemelt werden, um dann als Nahrung verkauft zu werden, sollten genauso “verboten” werden, wie Alkohol bzw. Zigaretten (an Kindern): Also, keine Schoko-Puff-Reis-Cornflakes-Dingsbums. Das ist nicht Nahrung. Das ist Chemie.

    Natürliche Produkte, also echte Nahrung, sollte dann aber absolut für jederman zugänglich sein: Cacao, Honig, (Puff)reis, Mais(mehl)…

    Also, ich bin der Ansicht, man müsse schon zwischen Nahrung und Nahrungsmittel fein differenzieren… ein Produkt ist nicht gleich ein Produkt. Und Lebensnotwendig ist schon lange nicht all das, was wir beim Lidl und Co. finden…

    Und zu deine Frage: Ob sich die Industrie daran orientieren wird und die Gesundheit in den Vordergrund stellen? Das ist in der Tat spannend.

    Wir beobachten selbst bei den billig-Ketten, dass “Öko” in ist. “Öko” reicht aber erstens nicht aus und zweitens ist das nur geschickt getarnte Marketing (zugegeben, die Marketingabteilungen reagieren auf ein “Verlangen”, die sie in der Bevölkerung wahrnimmt, und dieses Verlangen kommt bestimmt dank wirklich Öko-begeisterte und ihre öffentliche Arbeit überhaupt in die Öffentlichkeit…) der Nahrungsmittelindustrie.

    Jedenfalls danke für dein Beitrag hier. Triffst mich dabei, wie ich über “Permakultur, Lebensmittel und Wirtschaft” am sinnieren bin…

  • 2
    Mehr Kalorien für’s Geld - Fitness & Ernährung:

    [...] mit Fast-Food. Allerdings bevorzuge ich bei sowas (auch bei Burger-Mac & Co.) die Bezeichnung “Junk [...]

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