Prä- und Probiotika in Säuglingsnahrungen
04.05.09 (Diät, Ernährung, Functional Food)
Bisher konnte man bei Säuglingsanfangsnahrungen zwischen Produkten ohne Prä- bzw. Probiotika und angereicherten Produkten wählen. Seit Kurzem sind in einigen europäischen Ländern fast alle Standardsäuglingsanfangsnahrungen entweder mit Prä- oder mit Probiotika angereichert. Die Ernährungskommissionen DGKJ, ÖGKJ und SGP beurteilen diese Entwicklung kritisch. Aus Sicht der Ernährungskommission ist der Nachweis eines klar belegten klinischen Vorteils gegenüber nicht angereicherten Säuglingsanfangsnahrungensetzt Voraussetzung für die generelle Anreicherung der Säuglingsanfangsnahrungen mit Prä- oder Probiotika.
Dies ist bislang jedoch nicht zweifelsfrei belegt. Wenn Muttermilch nicht oder nicht ausreichend verfügbar ist, sollen herzkranke Säuglinge, Säuglinge mit geschwächtem Immunsystem sowie alle immunsupprimierten Säuglinge und Kinder nicht mit einer probiotisch angereicherten Säuglingsnahrung ernährt werden, weil derzeit in diesen Risikosituationen deren Sicherheit nicht eindeutig belegt ist. Weiter gilt die Empfehlung, Frühgeborene – wenn Muttermilch nicht oder nicht ausreichend verfügbar ist – mit einer Frühgeborenennahrung zu ernähren, die keine Probiotika enthält.
“In zahlreichen Studien über Prä- und Probiotika in Säuglingsnahrungen, die in den letzten Jahren veröffentlicht wurden, zeigte sich, dass durch die Anreicherung die Zahl an Laktobazillen oder Bifidobakterien im Stuhl nichtgestillter Säuglinge erhöht werden konnte. Im Vergleich zu flaschenernährten Kindern tendieren gestillte Kinder zu höheren Zahlen an Bifidobakterien und zu einem niedrigen pH-Wert im Stuhl. Möglicherweise wird durch den Einfluss von Bifidobakterien, Laktobazillen und einem niedrigen Stuhl-pH-Wert das Wachstum pathogener Keime und deren Adhäsion an der Darmschleimhaut gehemmt, während kommensale Bakterien immunmodulatorisch wirken.” (DGE-info)
Gegenwärtig sind Studien an großen Kollektiven von Neugeborenen zur Sicherheit und Effektivität von Prä- und Probiotika in Anfangsnahrungen nur begrenzt verfügbar. Folglich wird die Anreicherung von Anfangsnahrungen nach wie vor kritisch diskutiert, vor allem weil der mögliche Nutzen noch nicht zweifellos nachgewiesen ist.
Die Ernährungskommissionensprechen sich für die Durchführung wissenschaftlich hochwertiger, kontrollierter randomisierter Studien an großen Probandenkollektiven aus, die auch potenzielle Langzeiteffekte in die Prüfung einbeziehen sollten, um die Sicherheit und Wirkung von Prä- und Probiotika in Säuglingsanfangsnahrung zu untersuchen.
Quelle: Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) Ernährungskommission der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ), Ernährungskommission der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie (SGP): Empfehlungen zu Prä- und Probiotika in Säuglingsanfangsnahrungen.

04.05.09 um 10:39
Ein tolles Hin- und Her…
Sind die Kinder früher eigentlich verhungert, wenn die leibliche Mutter nicht stillen konnte? (Den Spruch zur “Stillfähigkeit” lass ich jetzt …)
Das Wort “Amme” stirbt wohl aus?
Und: Was wären wir wohl ohne diese Ernährungskommissionen?
04.05.09 um 10:51
… weil viele nicht mehr fähig sind (oder sich nicht trauen), Entscheidungen über grundlegende Dinge, selbst zu treffen und zu verantworten? Weil keiner mehr das Angebot und die Informationsflut überschaut und durchblickt? Allgemeine Reglementierungswut? Alles zusammen? Mehr?